Geschichte des Landhofs

– Chronologie –

Am 7.4.1927 erwerben die eheleute Walter und Elisabeth Boeckmann das Gut vom Vorbesitzer Herrn Ferdinand Lindenberg. Das Gut hat eine Betriebsgröße von etwas über 180ha, vorwiegend Feldflur.

Walter Boeckmann war Landwirt und Rittmeister a.D./Major d. Reserve. Aus seiner Ehe mit Elisabet, geb. Erckens entstammen fünf Kinder. Mit Kriegsbeginn 1939 wird Walter Boeckmann eingezogen und erlebt den Krieg in Polen, danach wird er bis März 1940 in Hamm stationiert. Einem folgenden Uk-Gesuch (Unabkömmlichkeit) wird stattgegeben, weil er im landwirtschaftlichen Betrieb gebraucht wird.

Am 17.4.1945 flüchteten die Bewohner von Gut Landhof vor den anrückenden Russen, deren Trommelfeuer auf den Seelower Höhen bis zum Landhof gut zu hören war. Bei einem früheren Bombenangriff auf Müncheberg waren in der Folge neun Ungarn in einer Scheune auf dem unmittelbar neben dem Landhof gelegenen Hof von Fender ums Leben gekommen. Zeitweilig war auf dem Gut eine Werkstatt-Kompanie der Wehrmacht einquartiert.

Die Flucht der Familie Boeckmann, das sind Ehefrau Elisabeth mit Tochter Gabriele und dem vierjährigen Hans-Eckard sowie dem Kindermädchen Irene Zeidler, führt zunächst nach Berlin und dann nach Mecklenburg. Zurückgeblieben ist Walter Boeckmann in Müncheberg. Die Söhne Friederich Wilhelm und Christof sind im Kriegseinsatz beim Heer und der Marine.

Müncheberg wird am 19.4.1945 von den Russen eingenommen. Vom sich auflösenden Volkssturm findet Walter Boekmann Anschluss zur Familie auf dem Flüchtlingstreff. Auf die Kapitulation am 8.5.1945 erfolgt ein russischer Befehl mit der Weisung, dass jeder an seinen Wohnsitz zurückzukehren habe. So landen die Boeckmanns wieder auf dem Landhof, wo Walter Boeckmann und seine Familie in die Inspektor-Wohnug des Gutes eingewiesen werden. Die Russen haben das Sagen und bestimmen die Arbeitseinsätze. Und nur wer arbeitet bekommt Essen. Nach drei Wochen auf dem Hof müssen die Boeckmanns umziehen in das Haus „Flügge“ in der Berliner Straße 30 in Müncheberg.

1946 ziehen die Boeckmanns wieder zurück auf den Hof und diesmal in das Gärtnerhaus ein. Walter Boekmann und sein Sohn Friedrich erhalten als „Neusiedler“ je fünf Hektar Land vom eigenen Grund und Boden – das Gut wurde im Rahmen der sog. „Bodenreform“ enteignet und in „Volkseigentum“ umgewandelt. Verwalter des Gutes wird Herr Hug, der sich später auch in den Westen abgesetzt haben soll. Walter Boeckmann und sein Sohn Friedrich-Wilhelm erhalten wegen anerkannter „Soll-Erfüllung“ Bezugscheine zum Erwerb lebensnotwendiger Artikel. Als ehemaliger Reserveoffizier muss sich Boeckmann alle sechs Wochen bei der sowjetischen Militärkommandatur in der Kreisstadt Seelow melden – Heimkehr nicht garantiert.

Das Neusiedlerdasein der Familie Boeckmann findet am 24.9.1947 abrupt eine Ende. An diesem Tage im Morgengrauen wird Walter Boekmann der Ausweisungsbefehl zugestellt. Innerhalb von drei Tagen ist das Haus zu räumen und der Kreis Lebus zu verlassen. Als möglicher neuer Wohnsitz zur Aufnahme wird der Kreis Guben vorgeschlagen. Zu diesem Zeitpunkt ist Gut Landhof noch im althergebrachtem Zustand. Ledigleich in die Frontseite des Kuhstalls war ein verirrtes Artilleriegeschoss eingeschlagen und hatte ein Loch von ca. drei Metern hinterlassen.

Familie Boeckmann verlässt mit der Ausweisungsverfügung die „Ostzone“ (SBZ – Sowjetische Besatzungszone) und geht den Weg nach Westen.

Gut Landhof wird in den Folgejahren Teil einer noch größeren LPG, zu der auch Augustenaue und Philippinenhof gehören werden. Eine Aufsiedlung zugunsten von Kleinbauern hat auf Gut Landhof nicht stattgefunden. Die einzigen Siedler waren nur Walter Boeckmann und sein Sohn Friedrich-Wilhelm gewesen, denen man die Neusiedlerstellen wieder wegenommen hat (SMA-Befehl 6080, Sowjetische Militäradministration in Deutschland).

Hans-Eckard Boeckmann, Jahrgang 1941, Verfasser dieser Informationen, lebt heute in Nordrhein-Westfalen. Die Luftaufnahme ist von ihm und wurde in den 90ger Jahren aufgenommen. Ebenso hat uns Herr Boeckmann die historischen Aufnahmen von dem Gut zur Verfügung gestellt – dafür sagen wir ganz herzlichen Dank. Er berichtet noch von folgenden Veränderungen auf dem Hof. Dazu gehört der Verlust der großen Hofscheune. Sie stand noch bis 1965 da und soll dann abgebrannt sein. Die sehr dekorative Fassade des Gutshauses wurde nach 1965 beseitigt und somit das schöne Aussehen des Gebäudes zerstört. Der Park hinter dem Haus existiert nicht mehr. Gebaut wurde auf den Feldern des Landhofs eine Großstallanlage für ca. 400 Rinder, die aus ökologischer Sicht dort nicht hingehörte, weil sie nur auf Stallhaltung der Tiere ausgerichtet war und die Probleme mit den Massen von Gülle nicht gelöst wurden.

Nach der deutschen Wiedervereinigung, kurz auch „Wende“ genannt, haben die Erben des rechtmäßigen Gutsbesitzers am 23.7.1990 den Antrag auf Restitution gestellt, dem aber nicht entsprochen worden ist.

Hier endet die Chronologie der Familie Boeckmann und nun war die Treuhand für die Zukunft des Hofes verantwortlich. Hier werden wir noch weiter recherchieren. Der Kernhof wurde wohl vom Rest des Gutes, das schon zu DDR-Zeiten in einer LPG aufgegangen ist, getrennt. 2008 kaufte die junge Familie Saum den Resthof von der Treuhand, doch durch familiäre Umstände wurden sie gehindert, ihre Pläne für einen Neuanfang auf dem Hof umzusetzen. So entschlossen sie sich, das ganze Areal wieder zu verkaufen.

Seit 2012 ist nun die Familie Blume Eigentümerin des Landhofs und möchte dieses für die regionale Ortskultur wichtige Gebäudeensemble in eine gute Zukunft führen.

Gerne beantworten wir Ihre Fragen und stellen Ihnen den Landhof Müncheberg vor!

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